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Stand: 17.09.2018

Pressemitteilung

Den Alltag vergessen in geselliger Runde

Mitglieder des Heimchors singen auf der WeihnachtsfeierMitglieder des Heimchors tragen Weihnachtslieder vor. Friederike Jung / Caritasverband für die Diözese Speyer

Die Vorhalle füllt sich. Um den geschmückten Christbaum versammeln sich immer mehr Gäste.  Viele haben einen kurzen Weg, sie wohnen hier in Haus in der Logenstraße. Andere kommen vom Bauernhof in Trippstadt und aus dem Marienheim, beide Häuser des Förderzentrums. Währenddessen laufen in der Küche die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren. Geschirr klappert, auf dem Herd schmurgelt, brutzelt und dampft, womit die Gäste an diesem Abend verwöhnt werden. Noch ein letztes Abschmecken, dann ist es soweit. 

Die Türen des Saals öffnen sich. Die Männer und Frauen strömen herein, versammeln sich um die langen Tafeln. Stimmengewirr erfüllt den Raum. Es wird geplaudert, viele kennen sich, manche schon seit langer Zeit. "Ich freue mich  auf das Essen. Bin mal gespannt, was es gibt", sagt eine Besucherin und schaut erwartungsvoll Richtung Küche.

Mitarbeiterin serviert Essen für BewohnerDie Mitarbeiter von St. Christophorus übernehmen bei der Weihnachtsfeier den Service, so auch Heike Breitenborn, die die Suppe serviert. Friederike Jung / Caritasverband für die Diözese Speyer

Wenige Minuten später wird das Geheimnis gelüftet. Zur Vorspeise gibt es ein Maronensüppchen, gefolgt von Schweinefilet mit Pilzen, Hähnchen, gemischtem Gemüse und Spätzle. Und natürlich ist mit einer fleischlosen Alternative auch an Vegetarier gedacht. Zum süßen Abschluss steht Rote Grütze mit Eis und Sahne auf dem Speiseplan. Alle lassen es sich sichtlich schmecken und senden Komplimente Richtung Küche. Anders als üblich, muss sich keiner das Essen selbst holen. An diesem Abend werden die Besucher von den Mitarbeitenden des Förderzentrums bedient. Unermüdlich schwärmen sie aus, um die drei Gänge des Menüs zu servieren und benutztes Geschirr abzuräumen. 

Diese Geste sei ein Zeichen der Wertschätzung den Klienten gegenüber, betont Einrichtungsleiter Peter Lehmann in einer kleinen Ansprache. "Wir danken Ihnen für das Vertrauen, das Sie uns schenken. Es macht uns allen Spaß, mit Ihnen zusammenzuarbeiten und eine Lösung zu finden, wie Sie Ihren Weg weitergehen." Gemeint ist: heraus aus der Wohnungslosigkeit, weg von den Schulden, die viele drücken, und  Alternativen zur Perspektivlosigkeit, unter der so mancher leidet. Für die Betroffenen belastende Situationen, die die traditionelle Weihnachtsfeier für ein paar Stunden in den Hintergrund rücken lässt.

Zum Abschluss gibt es sogar für jeden noch ein Geschenk, gestiftet von "Alt, arm und allein", einer Aktion in Stadt und Landkreis Kaiserslautern, die sich über Spenden finanziert. Der Vorsitzende Werner Stumpf und Vorstandsmitglied Elisabeth Dressing überreichen jedem Gast eine große Papiertüte. "Da ist eine Menge drin, was ich gut gebrauchen kann. Süßigkeiten, Duschgel, Tabak und noch andere Dinge, die ich mir nicht so einfach leiste könnte", freut sich eine Frau, die im Marienheim wohnt, über das vorzeitige Weihnachtsgeschenk. 

Gruppenbild bei der WeihnachtsfeierGruppenfoto bei der Weihnachtsfeier: (von links) Abteilungsleiterin Barbara Aßmann, Bewohner Michael H. mit Geschenktüte, Einrichtungsleiter Peter Lehmann sowie Elisabeth Dressing und Werner Stumpf von der Aktion "Alt, arm und allein". Friederike Jung / Caritasverband für die Diözese Speyer

"An Weihnachten selbst verzichten wir auf eine Feier. Das Fest ist doch sehr emotionsgeladen und weckt bei vielen unserer Bewohner und Bewohnerinnen schmerzliche Erinnerungen", erklärt Caritas-Mitarbeiterin Ursula Jörg. Das bestätigt auch ein Gast. "Ich habe zwar noch Familie, aber die hat den Kontakt zu mir abgebrochen. Das ist für mich an solchen Tagen wie Weihnachten besonders traurig. Eine Feier würde es noch schlimmer machen."

Dafür gab es bereits eine Woche zuvor, Anfang Dezember, eine Adventsfeier am Nachmittag, zu der auch Kooperationspartner des Caritas-Förderzentrums St. Christophorus geladen waren. Bei Kaffee, Kuchen, besinnlichen Geschichten und musikalischen Beiträgen des Hauschors wurde die Adventszeit eingeläutet. "Unsere heutige Weihnachtsfeier wollten wir im kleineren Rahmen halten, um ganz unter uns zu sein", meinte Peter Lehmann. Genau der richtige Anlass,  um sich von Barbara Aßmann, Leiterin der Abteilung Soziales beim Caritasverband Speyer, als langjährige Ansprechpartnerin zu verabschieden. 

Denn zum kommenden Jahr wird das Caritas-Förderzentrum St. Christophorus unter das Dach der Caritas Betriebsträgergesellschaft mbH Speyer (CBS),  einer Tochtergesellschaft des Caritasverbandes, wechseln. "Wir haben viel miteinander gekämpft, aber auch viel gewonnen, wenn ich etwa an unser Bauernhof-Projekt in Trippstadt und das Marienheim denke. Ich danke Ihnen für die gute Zusammenarbeit und hoffe, dass wir auch weiterhin noch in Kontakt bleiben", sagte Lehmann und überreichte Barbara Aßmann zwei Geschenke: ein Glas Honig aus der eigenen Imkerei des Trippstadter Bauernhofs und ein Fahrradtrikot für die passionierte Radlerin. Den Kopf freibekommen wie beim Fahrradfahren - das ist manchem Gast an diesem Abend bei der Weihnachtsfeier auch gelungen­ ­- zumindest für ein paar genussreiche und gesellige Stunden.

Text und Fotos: Friederike Jung für den Caritasverband für die Diözese Speyer



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