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Stand: 17.09.2018

Pressemitteilung

Kartoffelernte wie anno dazumal

Ein Pferd zieht auf dem Acker Bahn für Bahn den Pflug, geführt von einem Mitarbeiter. Friederike Jung / Caritasverband Speyer

Ein Anblick wie anno dazumal - der Haflinger zieht Bahn für Bahn den Pflug. Dann werden die Kartoffeln per Hand eingebracht. Was heute nur noch selten zu sehen ist, soll auf dem Wilensteiner Hof wieder belebt werden. Um den jungen Bewohnern des generationsübergreifenden Projekts des Caritas Förderzentrums St Christophorus zu zeigen, wie Acker- und Feldarbeit in früheren Zeiten geleistet wurden - und gleichzeitig verbunden mit einem ökologisch wertvollen Beitrag.

Hans Eckrich verstärkt seit Mai das Hofteam als Betreuer im Sozialdienst. An diesem Dienstag ist er nicht allein gekommen. Er hat Sam mitgebracht. Einen kraftvollen Haflinger, der noch nicht weiß, dass er die kommenden Stunden ackern soll. "Das ist eigentlich nicht sein Job", sagt Eckrich, "normalerweise wird er bei den Kutschfahrten eingesetzt, die ich anbiete." Dann ist auch Sams Haflinger-Kumpel Niko mit von der Partie. Er ist an diesem Morgen auf der heimischen Koppel in Schmalenberg geblieben und wartet dort auf die Rückkehr von Sam. Der scharrt mit den Hufen, das Herumstehen im Hof wird ihm zu langweilig.

Doch schon ein paar Minuten und einige hundert Meter später ist es damit vorbei. Der Acker, zwischen Wiesen, Feldern und Wald gelegen, ist erreicht.  Am Abend zuvor hat Michael Keßler, Landwirt des Hofs, bereits die notwendigen Vorbereitungen getroffen. Dazu hat er den neuen Schlepper, ein Case IH, benutzt. "Er hat unseren alten John Deere abgelöst. Bei dem war der Frontlader gebrochen und eine Reparatur hat sich nicht mehr gelohnt." So gern Keßler sich auch auf die Neuerrungenschaft schwingt, bei den anstehenden Arbeiten bleibt der Traktor außen vor. Dafür darf sich der Haflinger ins Zeug legen. Während Hans Eckrich ihn an den Pflug spannt, ist die Konzentration zu spüren. Wenn er das Kommando zum Ziehen gibt, muss alles stimmen, damit die Furchen auf möglichst gerader Linie durch die Erde gezogen werden. Dafür dass Sam noch nicht oft mit dieser Aufgabe betraut war, macht er seine Sache gut.

Dazu trägt auch die sichere Hand seines Besitzers bei. "Ich bin mit Pferden aufgewachsen. Sam ist bei mir, seit er ein Fohlen war. Er bewahrt die Ruhe, auch wenn es um ihn herum turbulent zugeht. Das macht ihn  zu einem guten Arbeitspferd", erklärt Hans Eckrich.  "Allerdings brauchen Pferde auch die klare, ruhige Hand eines Menschen, damit sie wissen, was sie tun sollen. Und sie müssen Vertrauen zu einem haben." Das herrscht zwischen den beiden. Sam gehorcht aufs Wort, macht seinen Job als hätte er nie etwas anderes getan. Ein 700 Kilo schweres Kraftpaket, dem man weder seine 19 Jahre ansieht, noch die Anstrengung, die die Arbeit erfordert.

Auch Michael Keßler, der hinten den Pflug führt, kommt ganz schön ins Schwitzen. Dabei ist körperlicher Einsatz sein tägliches Brot.  "Man muss den Pflug festhalten, damit er in der Spur bleibt und dabei auf das Tempo des Pferds reagieren", sagt der 38-Jährige, der selbst Pferde besitzt und passionierter Reiter ist. "Das kostet ganz schön Kraft." Da hat es Lukas etwas einfacher. Er ist zum Kartoffeleinbringen abgestellt. Im Abstand von 40 Zentimetern platziert  er die Knollen in den Furchen. Die Arbeit macht ihm Spaß. "Mein Wunsch ist es, selbst einmal Landwirt zu werden.  Das ist mein Traumberuf. Leider habe ich bis jetzt noch keine Lehrstelle gefunden. Aber vielleicht klappt es demnächst und es meldet sich jemand, der mich nimmt." Im Januar ist der 16-Jährige auf den Hof gekommen. Hier macht er sich jeden Tag nützlich, geht zur Hand, wo es etwas zu tun gibt. Und er kümmert sich hingebungsvoll um seine Kaninchen, die er auf den Hof mitgebracht hat.

Auch die beiden Hofbewohner Ben und Jodie sind gekommen, um sich die Art der Feldarbeit, die sie nur aus dem Fernsehen kennen, aus der Nähe anzusehen.  "Das ist ja wie im Mittelalter", staunt Ben und scheint beeindruckt von dem mühevollen Einsatz zu sein. Um die Mittagszeit ist der Acker bestellt. Ein Zentner Kartoffeln ist in die Furchen gewandert und mit Erde zugedeckt. Alles ohne moderne Technik, Dieselverbrauch und CO2-Ausstoß. Zwar spürt Michael Kessler seine Muskeln, und auch Hans Eckrich, der die ganze Zeit an der Seite seines Haflingers war, weiß, was er getan hat. Trotzdem sind beide guter Dinge. "Es ist eine Tätigkeit die zufrieden macht. Mensch und Tier bilden dabei eine Einheit. Außerdem lockern Arbeitspferde den Boden anstatt ihn zu verdichten und schonen ihn auf diese Weise", sagt Eckrich und tätschelt Sam den Rücken als Lob und Anerkennung. Auch das gehört dazu.

Text und Fotos - Friederike Jung für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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