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Stand: 17.09.2018

Pressemitteilung

Mehr als nur ein Dach über dem Kopf

Leben auf dem Bauernhof – unter dieser Überschrift hat das Caritas-Förderzentrum St. Christophorus Kaiserslautern ein generationenübergreifendes Modellprojekt gestartet. Auf dem Wilensteiner Hof nahe Trippstadt finden wohnungslose Menschen ein Zuhause, vor allem aber Hilfestellung beim Start in eine selbstbestimmte Zukunft. Ein Ort der Hoffnung, der am 7. Oktober offiziell eingeweiht wurde.
Wald, Felder und Wiesen soweit das Auge reicht. Auf einem Fleckchen mittendrin versammeln sich ein paar Bauernhöfe. Einer von ihnen ist der Wilensteiner Hof. Verwinkelte Urigkeit aus Backstein und Holz, die das neue Zuhause von drei Erwachsenen und acht Jugendlichen ist. Vom Leben aus der Bahn geworfen, fehlt ihnen vieles: Job, verlässliche Sozialstrukturen, eine eigene Wohnung, Perspektiven. All das sollen sie mit Hilfe des Modellprojekts wiederfinden. „Die zunehmende Zahl jugendlicher Wohnungsloser hat uns dazu veranlasst, über neue Wege und Strukturen im Rahmen der Jugendhilfe nachzudenken“, sagte Peter Lehmann, Leiter des Caritas-Förderzentrums St. Christophorus, in seiner Begrüßungsrede. Das Angebot sollte sich von dem, das in Kaiserslautern bereitgehalten wird, sowohl inhaltlich als auch von Umgebung her unterscheiden. Im Wilensteiner Hof habe sich der ideale Ort gefunden, um das Konzept umzusetzen. „Hier leben verschiedene Generationen unter einem Dach und in unmittelbarer Nähe zu den Nachbarn. Damit ist jeder Teil einer Gemeinschaft und hat seine festen Aufgaben. Denn auf einem Bauernhof gibt es immer etwas zu tun.“


Peter Lehmann und Susann Jünger

Das Leben in und mit der Natur lasse die Menschen zur Ruhe kommen und ermögliche ihnen, neue Erfahrungen zu sammeln. Von der Idee bis zur Umsetzung sei es ein weiter, arbeitsreicher Weg gewesen, sagte Lehmann und dankte allen Kooperationspartnern für ihre Unterstützung. Sein besonderes Lob galt Hofleiterin Susanne Jünger und ihrem multidisziplinären Team aus Betreuern, Heilerziehungspfleger, Studenten im Praxissemester, Hauswirtschafterin und Landwirt. Sie alle versuchen, den Bewohnern das zu geben, was sie am nötigsten brauchen: Halt, Orientierung, neuen Lebensinhalt. Dabei hoffen sie auf ihre rege Mithilfe im landwirtschaftlichen Kleinbetrieb. Ihm gehören neben zwei Hektar Land Hühner und Kaninchen an, demnächst auch Schafe, Ziegen und Alpakas. Außerdem sei es Ziel des Modellprojektes, die Teilnehmer an die selbständige Gestaltung ihres Lebens heranzuführen.

 „Als Angebot für Menschen am Rande unserer Gesellschaft geplant, wurde es schnell ergänzt von jungen Flüchtlingen, die ohne Begleitung nach Deutschland kommen“, griff Barbara Aßmann, Abteilungsleiterin beim Caritasverband, ein aktuelles Thema auf, das mit Jugendlichen aus Afghanistan auch in den Wilensteiner Hof eingezogen ist.

Claudia Porr, Referatsleiterin Frühe Hilfen im Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen Rheinland-Pfalz, würdigte das Projekt als „ein pädagogisches Konzept, das Schnittstellen gut gestaltet und zusammenbringt, kreative Lösungen bietet und der Jugendhilfe die Aufmerksamkeit widmet, die sie verdient.“

Menschen untereinander und mit der Natur zu vernetzen, wertete Pfarrer Steffen Kühn, der Dekan des katholischen Dekanats Kaiserslautern, als Integration im eigentlichen Sinne. „Denn das Wachsen, Reifen, Ernten und Ruhen zu begleiten, ist der Rhythmus jeglichen Tuns.“


Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer mit den Mitarbeitern des Willensteiner Hofs

Vor einer Gästeschar, die sich leider vor dem Regen verstecken musste, segnete der Vorsitzende des Caritasverbands in der Diözese Speyer Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer, den Wilensteiner Hof und das Holzkreuz, das seinen Platz an zentraler Stelle bekommen soll. „Als Zeichen der Gegenwart und des Lebens.“ Und in der Hoffnung auf eine gesegnete Zukunft.

Herausgegeben von:
Caritasverband für die Diözese Speyer
Text und Bild:
Friederike Jung
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