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Stand: 17.09.2018

Pressemitteilung

„Obdachlose brauchen mehr als ein Zimmer“

Peter Lehmann ist kommissarischer LeiterBrigitte Deiters / Caritasverband Speyer

Der Leiter von St. Martin Peter Lehmann setzt auf klare Strukturen und junge, frische Ideen: "Das Thema muss einem liegen. Man muss organisieren können und Leute haben, die Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen." So umreißt Peter Lehmann die Voraussetzungen, um an mehreren Orten gleichzeitig wirken zu können. Seit März ist er Nachfolger von Stefan Syren als Leiter des Caritas-Förderzentrums St. Martin in Ludwigshafen. Er übt diese Tätigkeit kommissarisch aus. Zugleich ist er Einrichtungsleiter im Förderzentrum St. Christophorus in Kaiserslautern und führt die Warenkorb-Sozialkaufhäuser in St. Ingbert, Speyer und Germersheim.

In Ludwigshafen hat er Unterstützung in einem sehr engagierten Team, seinem Stellvertreter Klaus Wagner, der St. Martin seit vielen Jahren kennt, und Monika Ben-Omrane, die neu ist in ihrer Funktion als seine Assistentin. "Wir arbeiten hier alle sehr konzentriert, sind motiviert und spielen uns immer besser aufeinander ein", schätzt Lehmann die Situation ein.

"Ich bin hier sehr freundlich aufgenommen worden", sagt der neue Leiter. Schnell ist klar geworden, dass er ein ganz anderer Typ ist als sein Vorgänger, den er sehr schätzt: "Ich bin Sozialfach-Manager", berichtet er, "und das spürt man an Kleinigkeiten." Für ihn sind Strukturen, klare Abläufe und Verantwortungsbereiche wichtig. Das bedeutet auch zu analysieren: "Was braucht die Stadt von einer Einrichtung wie der unseren? Was brauchen die Menschen hier - die Frauen, Männer und auch Jugendliche?" Die Antwort gibt Lehmann gleich selbst: "Sie brauchen ordentliche Angebote und müssen ordentlich versorgt werden!"

Er erinnert daran, dass schon Stefan Syren immer gesagt hat, die Zukunft von St. Martin liege in einem anderen, größeren und moderneren Gebäude, das für die Angebote an die Klienten geeigneter sei als das Haus am Unteren Rheinufer. "Obdachlose brauchen mehr als ein Zimmer", so Lehmanns Überzeugung. "Jeder Einzelne braucht nach seinen Möglichkeiten eine Beschäftigung. Denn es gibt nichts Trostloseres, als den ganzen Tag ohne Beschäftigung rumzusitzen." Die Männer von St. Martin bräuchten kein Mitleid, sondern die Möglichkeit, ihr Selbstwertgefühl wieder aufzubauen, sie brauchen Wertschätzung, Achtung und Freundlichkeit. "Wir dürfen die Leute in dieser Lebenssituation nicht einfach verwalten!", fordert er.

Einen ersten Schritt dahin hat er bereits in die Wege geleitet: Der Essraum des Hauses wurde mit Unterstützung der Bewohner und des Fördervereins neu gestrichen und hergerichtet. Die Bewohnerzimmer sollen folgen. Und dann auch der Empfangsbereich, der deutlich heller werden und den Ankommenden signalisieren muss: "Hier wartet jemand auf mich." Lehmann erinnert daran, dass St. Martin ein Zuhause ist - für manche Männer übergangsweise, für einige aber auch dauerhaft.

In diesem Zuhause sollen sie auch die Möglichkeit haben, sich zu beschweren. "Wir nehmen das sehr ernst, wenn Männer hier etwas kritisieren. Denn nur so können wir besser werden." Lehmann ist überzeugt, dass sich die Arbeit, die er und seine Mitarbeiter in St. Martin leisten, auch auszahlen muss und wird. "Wir müssen doch dafür sorgen, dass sich die Lebensqualität der Männer verbessert", fordert er, "dass es ihnen trotz allem gut geht, dass sie auch mal wieder glücklich sind."

Natürlich weiß er auch, dass es immer Männer gibt, die es nicht schaffen, wieder in der Gesellschaft und mit einer eigenen Wohnung Fuß zu fassen, "aber das muss man akzeptieren." Und: "Vielen fehlt schlicht die Motivation, wieder selbstständig zu leben." Aber auch diesen Männern möchte Lehmann gerecht werden, ihnen Abwechslung im Leben ermöglichen. "Es ist schlimm, wenn sie sagen, ich würde so gerne noch einmal …. - und niemand ist da, der ihnen diesen Wunsch erfüllen kann."

In diesem Zusammenhang ist er froh über die unermüdliche Unterstützung des Fördervereins und anderer Verbände in der Stadt - und würde sich wünschen, dass es mehr Menschen gibt, die einfach einmal anbieten, mit den Männern etwas zu unternehmen.

In seinen Bemühungen um die Zukunft des Förderzentrums und der Männer setzt Peter Lehmann auch stark auf "junges Blut":  Die Einstellung von Monika Ben Omrane ist da ein erster Schritt. Mit ihr will er gemeinsam in St. Martin die Zukunft gestalten und sie schrittweise aufbauen.

Die Zusammenarbeit mit Studenten, die an der Hochschule in Stuttgart Soziale Arbeit studieren, ist ein weiterer Baustein. Aus Kaiserslautern ist er den engen Austausch mit ihnen gewohnt, er nutzt deren Projektideen und bestärkt sie darin, "ganz frei neue Ideen und ohne Schere im Kopf Lösungen zu spinnen und zu entwickeln." Denn eines hat Peter Lehmann in seiner langjährigen Arbeit für und mit Obdachlosen gelernt: "Geht nicht, gibt´s nicht."

Text und Foto: Brigitte Deiters für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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